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walking on sunshine <3
Music: Is It You?
Book: Bis(s) zum Abendrot

because tonight I'm so inspired. I feel the beat it takes me higher. To break free is my desire...

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SOME KIND OF MAGIC...

Am Mittwochmorgen, nachdem wir nun schon zwei Tage relaxt am Strand, in der Bar oder auch einmal in einem Museum verbracht hatten, wurde ich mit einem eigenartigen Gefühl wach. Irgendwas würde heute passieren, nur ich hatte keine Ahnung was. Beim Frühstück erzählte uns Mr. Chambers, wie der heutige Tag ablaufen sollte: „Also, ihr habt jetzt bis 18 Uhr Zeit zur freien Verfügung, aber heute Abend…“, er fing an zu grinsen. „erwartet euch etwas ganz Besonderes.“ Oh Gott. Das konnte nichts gutes heißen, oder etwa doch? Er war einer der jüngsten Aufsichtspersonen und irgendwie ziemlich nett. Er trug höchstwahrscheinlich gefärbte Kontaktlinsen, da es bestimmt niemanden gab, der von Natur aus so schokobraune Augen hatte. Aber genau diese Farbe ließ sein Gesicht warm wirken, sein Blick wirkte immer so beruhigend und gut gelaunt. Wäre er ein Lehrer gewesen, hätten sich wohl viele Schülerinnen an ihn rangeschmissen. Er wirkte attraktiv und war bestimmt nur 10 Jahre älter als wir, aber das war für mich kein Grund, für ihn zu schwärmen. „MTV hat euch eingeladen, bei der ersten Aufzeichnung einer neuen Show dabei zu sein!“, fuhr er fort. Was? Wieder so ein Scherz? Die Cheerleader und Sportler in der anderen Ecke des Saals fingen an zu jubeln. Das war wohl kein Scherz. „Es ist eine Show mit allen möglichen angesagten Stars aus dem Musikbusiness – und wird hier in der Nähe aufgezeichnet!“ Nun fing auch ich an zu grinsen. Das war kein Scherz. Oh mein Gott. Ich liebte Musik – und ich liebte Konzerte. Das war ja der Wahnsinn.
Die gesamte Stufe war in Hochstimmung und den ganzen Tag spekulierten wir, wen wir wohl heute Abend live sehen würden. „Hoffentlich ist Justin da!“, jubelte Jenny.
Tim war sich auch sicher, wen er sehen wollte: „Die Pussycat Dolls. Die sind verdammt heiß!!!“ Er zog grinsend die Augenbrauen hoch und jubelte mit den anderen Jungs unserer kleinen Clique. Wen ich sehen wollte? Da konnte ich mich gar nicht entscheiden!

Der Tag verging wie im Flug und um 18 Uhr standen wir alle gestylt und aufbruchbereit im Foyer. Ich hatte mich für ein Top und eine Jeans entschieden und natürlich hatte ich Sam auch wieder zu einem Outfit geraten. Wir vier Mädels stiegen also in meinen Wagen und warteten darauf, dass jemand, der wusste, wo es hinging, losfuhr.

Die Location war einfach perfekt für ein Konzert. Um eine niedrige Bühne herum waren auf zwei Etagen Sitzgruppen und Stehtische mit Barhockern verteilt. Da wir zu den Ersten gehörten, die die kleine Halle betraten, konnten wir uns Plätze an einem Stehtisch direkt an der Bühne sichern. Die anderen unserer Stufe kamen nach und nach dazu und verteilten sich überall.
Das Konzert ging los, indem der Moderator die Bühne betrat und uns alle begrüßte. Besonders uns, an dem Tisch, der am Weitesten vorne war. „Zeigt all eure Begeisterung denn schon bald wird diese Sendung auf MTV ausgestrahlt!“ Ich lächelte und fragte mich, ob er uns vielleicht mit den Cheerleadern verwechselte. Schließlich begrüßte er uns ein weiteres Mal - diesmal für die Kamera - und das gesamte Publikum tobte. Schon der erste Ton aus den Boxen verriet mir, wer nun auf die Bühne kommen würde und ich sah lachend zu Tim, dessen Augen so groß wurden, dass ich Angst hatte, sie würden ihm jeden Moment herausfallen. Die Pussycat Dolls kamen auf die Bühne und sorgten für fantastische Stimmung. Wir saßen gerade mal 7 Meter von ihnen entfernt und ich fand die Klassenfahrt mit jeder Sekunde besser. Als nächstes betrat tatsächlich Mya die Bühne und stimmte „Do You Only Wanna Dance“ an. Auch wenn dieser Song schon älter war, so liebte ich ihn doch und konnte mich kaum noch auf den Sitzen halten. Ein Backgroundtänzer, der nach einem waschechten Latinlover aussah, kam auf mich zu und ehe ich merkte, was überhaupt passierte, stand ich schon halb auf der Bühne und tanzte Salsa. Es war ein Gefühl, das nicht zu beschreiben war und nachdem ich mich schnell von dem Schock, auf einer Bühne zu stehen, erholt hatte, hatte ich so viel Spaß, wie noch nie in meinem Leben.
Als das Lied zu Ende war setzte ich mich wieder auf meinen Platz und meine Freunde jubelten mir zu. Hätte der Abend besser sein können? Ich versuchte meinen Puls wieder etwas zu beruhigen, als ein etwas älterer Herr sich von hinten an uns heranschlich. „Miss, darf ich Sie bitten, mit mir zu kommen?“ Er meinte mich. Ich war doch etwas erschrocken und sah hilfesuchend zu den Jungs. Steve wollte gerade etwas sagen, als der Anzugträger ihm zuvorkam. „Keine Sorge, nach der Show haben Sie sie unversehrt wieder!“ Ich schluckte. Was hatte ich denn gemacht? Ich ging hinter ihm her und verabschiedete mich mit einem Blick nach hinten von meinen Freunden - und von dem glücklichen Leben, dass ich gerade führte. Irgendetwas würde schief gehen, das wusste ich. Er blieb stehen. „Miss, diese Show ist für Stars! Sie sind kein Star! Ich muss Sie leider bitten, sich hier hinten hinzusetzen. Wir wollen keine verrückten Teenager, die sich auf die Bühne stürzen!“ Ich sah ihn verwirrt an. Ich hatte mich auf die Bühne gestürzt? Er zeigte auf einen Platz, direkt hinter mir und ich setzte mich hin. Ich hatte sowieso keine Chance gegen die Securitytypen, die hinter ihm standen. Mal davon abgesehen, dass ich mich sowieso nicht getraut hätte einen Aufstand zu machen. Da hatte der Abend so gut angefangen und jetzt das! Der Typ, der nun neben mir saß, war in meinem Alter und sah mich freundlich an. Er konnte ja nichts dafür, doch ich hatte kaum noch Ambitionen, mich zu einem aufrichtigen Lächeln zu bringen. Leona Lewis betrat die Bühne, die immer noch nicht allzu weit von meinem neuen Platz entfernt war und ich fing leise an mitzusingen. Ich wollte dem Typen neben mir ja nicht den Abend verderben – das war Grund genug, nicht lauter mitzusingen. Bleeding Love war einer meiner absoluten Lieblingssongs, auch wenn ich zu einer der wenigen gehörte, die das Album noch besser fand. Darauf folgten einige Künstler, die ich nicht kannte, die aber trotzdem eine gute Show machten. Der Moderator kam auf die Bühne: „Wir machen jetzt eine 20-minütige Pause. Holt euch was zu trinken oder unterhaltet euch, wie auch immer!“
Die Lichter gingen langsam an und sehr viele Leute verließen den Saal. Ich sah zum Tisch meiner Freunde, die alle schon weg waren und fühlte mich ganz plötzlich furchtbar alleine, da ich mit niemandem sonst in diesem Raum etwas zu tun hatte.
„Ich finde, das war vollkommen übertrieben. Du hast besser getanzt als die Anderen auf der Bühne.“, sagte eine Stimme ganz in meiner Nähe. Ich drehte mich um und sah dem Typen, der neben mir saß direkt in die Augen. Ich war wirklich geschockt. Seine Augen hatten so ein helles Blau, dass sie mich fast blendeten und doch strahlten sie etwas Vertrautes und Warmes aus. Ich senkte den Blick, bevor er noch merkte, wie ich ihn ansah und wurde rot. Zum einen, weil ich so noch nie über Augen gedacht hatte, zum anderen, wegen des Kompliments, das er mir gemacht hatte.
„Ähm, danke…“ Ich wagte es doch wieder, ihn anzusehen und lächelte. Er machte einen sympathischen Eindruck, weshalb ich es doch bereute, dass ich ihn vorhin mit meinem Blick bestraft hatte, für den er gar nichts konnte. Er nickte und wandte sich dann einem Spiralblock zu, der auf dem Tisch vor uns lag. Als er ihn öffnete traute ich meinen Augen nicht. Das waren die wohl besten Zeichnungen, die ich je gesehen hatte. Sie wirkten so real und ich hatte den Eindruck, dass ich bei jedem einzelnen Gesicht auf ihnen sehen konnte, was er oder sie gerade fühlte. „woow. Sind die von dir? Die sind wirklich fantastisch!“ Ich sprach das aus, was ich dachte. Normalerweise hatte ich nichts für Kunst übrig, es sei denn sie war in Worte gefasst. Teilweise sahen die Zeichnungen aus, als würden sie in einen Comic gehören, doch auch dann waren sie immer noch voller Ausdruck.
„Ja, die sind von mir… Die sind aber wirklich nichts Besonderes…“, antwortete er und ich sah ihn ungläubig an. Wenn er meine Strichmännchen sehen würde, würde er vielleicht endlich mal erkennen, wie gut seine Sachen waren. Aber scheinbar war er bescheiden. Das gefiel mir.
„Darf ich mal?“ Ich deutete auf den Block und hoffte, ich könne den Rest seiner Zeichnungen sehen.
„Klar“ Er reichte mir den Block und ich fing an, die Seiten nach und nach umzublättern. Eins war sicher: Er hatte verdammt viel Talent. Mehr Talent, als die Meisten, die ich kannte. Ich sah mir seine Werke eine Weile lang an und entdeckte dann eine Zeichnung, die mir besonders gefiel. Darauf war ein Mädchen zu erkennen, dass einen Jungen so anschmachtete, dass ich bezweifelte, dass es nicht echt sein könnte.
„Ist das deine Freundin?“, wollte ich wissen und biss mir auf die Lippe. Ich war mal wieder viel zu neugierig. Was sollte das denn? Ich kannte ihn doch noch nicht mal!!!
Er grinste mich an. „Nein, ist sie nicht. Nicht mehr. Blätter weiter…“
Ich war verwirrt, doch dann sah ich die nächste Seite. Der Blick des Mädchens hatte sich verändert. Es weinte und an seinem Gesicht kullerten Tränen hinunter. Unten stand in Großbuchstaben ein Spruch: „Things change sooner than you expect…“ Ich sah mir diese Zeichnung eine Weile an und dann blickte ich wieder zu meinem unbekannten Sitznachbarn. Er grinste nicht mehr, sondern runzelte die Stirn. Fast so, als überlege er, wieso es damals so weit gekommen war. Er wirkte abwesend und ich wusste kurz nicht, was ich machen sollte. Dann entschied ich mich dazu, ihm den Block wieder zurück in die Hände zu reichen. Mit dem Anfang meiner Bewegung kam er wieder zurück in die Gegenwart und nuschelte so etwas wie „tut mir leid“. Ich lächelte ihn verständnisvoll an und gab ihm nun den Block zurück. Als er ihn nahm, berührten sich unsere Hände und ohne dass ich es wollte, bekam ich eine Gänsehaut. Er sah mich mit seinen hellblauen Augen an und lächelte so sehr, dass man es noch an seinen Augen erkennen konnte. Ich rührte mich keinen Zentimeter und sah ihn immerzu an. Von jetzt auf gleich sah ich ihn: Diesen Blick, von dem ich schon so viel gehört hatte. Der Blick der nur im Kuss enden konnte. Ich selbst hatte ihn noch nie mitbekommen und doch wusste ich, dass es daran keinen Zweifel gab. Meine Gänsehaut vervielfachte sich und ich konnte kaum noch denken. Ich traute mich nicht einmal zu blinzeln, denn dann hätte ich den Blickkontakt unterbrochen und somit vielleicht auch den Blick selbst. Ich weiß nicht, wie lange wir so dasaßen. Sein Kopf kam meinem näher und ich spürte seinen Atem auf meinem Gesicht. Mein Herz fing an schneller zu schlagen und dann berührten sich unsere Lippen. Meine Augen waren geschlossen und ich realisierte noch gar nicht richtig, was da gerade passierte. Es war ein kurzer und sanfter Kuss und der Comiczeichner mit den wahnsinnig blauen Augen löste sich von meinen Lippen. Langsam öffnete ich meine Augen und sah wieder in sein Gesicht. War das gerade wirklich passiert? Er lächelte verschmitzt und irgendetwas an diesem Grinsen sagte mir, dass es wirklich passiert war. Oh mein Gott. Auf seinem Gesicht war ein Anflug von Verwirrung zu sehen und ich lächelte, ein wenig verlegen. Das war wohl noch um einiges besser gewesen, als mein kleiner Auftritt von vorhin. Er sah zur Seite und das ermöglichte mir, mich wieder etwas zu fassen. Mein Herzschlag normalisierte sich ein wenig und ich bemerkte, dass das Konzert schon wieder angefangen hatte. Auf der Bühne standen The Veronicas und sangen 4ever. Wie passend. Ich fing an zu grinsen und sah wieder zu dem Typen, der so gut küssen konnte. Alle um uns herum waren nun aufgestanden und rockten ab, während wir immer noch saßen. Er grinste und stand auch auf. Da ich nicht als Einzige sitzen bleiben wollte, tat ich es ihm gleich und merkte erst jetzt, dass ich etwas wackelig auf den Beinen war.
Ich versuchte mich auf die Band zu konzentrieren, doch meine Gedanken schweiften ab. Die Luft kam mir vor wie elektrisiert und mein Herz schlug immer noch in einem ungewöhnlichen Tempo. Ich verglich diesen Kuss, mit dem, was die anderen Mädels mir über ihren ersten Kuss erzählt hatten. Ich wusste nicht wieso, aber ich war mir absolut sicher, dass mein erster Kuss von gerade diese eindeutig topte.

Nun nahm ich doch noch etwas Anderes als meine eigenen Gedanken wahr: Flo Rida war auf der Bühne! Ich war erst vor kurzem total begeistert gewesen, als ich Step Up 2 The Streets im Kino gesehen hatte. Ich fing an zu tanzen und vergaß für einen kleinen Moment sogar den unbekannten Küsser an meiner Seite, bis er einfach meine Hand nahm und mir „komm mit“ ins Ohr flüsterte, bevor er mit mir nach vorne ging. Ich war vollkommen perplex, ließ mich dann aber von ihm mitziehen. Kurz vor der kleinen Tanzfläche, die vor der Bühne war, blieb er stehen, drehte sich zu mir um und wollte wissen: „bereit?“ Ich hatte keine Ahnung, worauf er hinauswollte, bis er mich mit einer gekonnten Bewegung umdrehte. Der Comic-Zeichner war auch noch Tänzer? Das konnte doch nicht sein, oder? Er brachte mich mit ein paar Schritten auf die Tanzfläche und wir fingen an, genau vor der Kamera und allen anderen im Saal, zu tanzen. Meine Erinnerungen an den Latinlover waren so sehr verblasst, dass es mir wie eine halbe Ewigkeit vorkam, als ich mit ihm getanzt hatte. Denn das hier, war um ein Vielfaches besser. Ich wurde lockerer und dachte gar nicht mehr nach. Ich tanzte einfach nur noch. Es war ein Gefühl, dass ich nicht beschreiben konnte. Nicht so, wie der Kuss, sondern anders. Aber es war einfach nur unglaublich. Kurz dachte ich an den Anzugtypen, der mich nach hinten verfrachtet hatte und war ihm sogar dankbar dafür. Ein Grinsen bildete sich auf meinem Gesicht und ich merkte, dass ich hier vollkommen in meinem Element war. Zu meiner Überraschung baute der unbekannte Tänzer sogar Schritte aus Step Up und Step Up 2 ein. Als das Lied zu Ende war, drehte er mich nochmals und ich merkte, wie die Menge anfing laut zu applaudieren. Das waren tatsächlich Leute von meiner Schule!!! Auf den Gesichtern meiner Mädels konnte ich gleichzeitig „Neugier“ und „Wahnsinns Typ“ geschrieben sehen, was mich doch zum Lachen brachte. Wir gingen von der Tanzfläche herunter, an deren Rand schon der Anzugtyp auf uns wartete. Diesmal schüchterte er mich keineswegs ein, da ich viel zu gute Laune hatte. „Ich fürchte Sie zwei müssen das Konzert nun von oben aus genießen!“ Er deutete auf die zweite Etage und ich ging ohne Widerwillen dorthin. Mein Tanzpartner holte noch eben seine Zeichnungen und wir gingen die Wendeltreppe hinauf. Der Rest des Konzertes war überall noch bessere Stimmung, als zuvor und auf der oberen Etage konnte keiner mehr still sitzen. Bei der Lautstärke zu reden, war schier unmöglich, was ich etwas bedauerte, da ich so nicht einmal erfahren konnte, wie der Typ hieß, der mich zuerst geküsst und dann eine Showeinlage mit mir hingelegt hatte.

Als das Konzert zu Ende war, verließen alle ziemlich schnell den Raum. Wir blieben kurz stehen, bis wir uns gegenseitig hören konnten. Schließlich hatten wir genug Platz um uns herum. „Ich bin-“, setzte ich an, als sein Handy klingelte. Kurz hörte er, was die Person am anderen Ende der Leitung sagte, bevor er den Hörer vom Ohr nahm. „Ähm, sorry. Ich muss kurz raus. Ich bin gleich wieder da. Nicht weglaufen, ja?“ Er lächelte und ich wusste wirklich nicht, wer da etwas Anderes hätte sagen können.
„Ja. Ich laufe schon nicht weg.“ Er grinste mich noch einmal an, bevor er dann verschwand. Mein Gott, war ich durch den Wind. Ich beschloss, erst einmal wieder zur Ruhe zu kommen und dann zu überlegen, was das Alles zu bedeuten hatte und wie ich mich jetzt verhalten sollte. Bei anderen hatte ich da immer irgendwelche Ratschläge, da war ich mir sicher, doch jetzt im Moment war in meinem Kopf gähnende Leere. Ich hatte auf keine meiner Fragen eine Antwort und fühlte mich gleichzeitig glücklich und hilflos.
Ich setzte mich hin, sah mich um und merkte, dass ich alleine war. Niemand war noch zu sehen und ich rechnete fest damit, dass der blauäugige Unbekannte wohl bald wieder auftauchen würde. Zu meinem Bedauern, verging eine halbe Stunde und er war immer noch nicht da. Mein Handy klingelte und Sam wollte wissen, wo ich war. Es war enttäuschend und irgendwie auch verletzend, dass er nicht aufgetaucht war, doch mein Stolz sagte mir, dass ich jetzt auf jeden Fall gehen sollte. Draußen warteten Jenny, Ash und Sam schon in meinem Mustang darauf, dass wir losfahren konnten und ich ließ den Motor schnell an. Kaum hatten wir uns auch nur einen Zentimeter vom Parkplatz bewegt stürmten die Mädels mit Fragen auf mich ein. „Wer ist er?“, „Woher kennst du ihn?“, „Was läuft da zwischen euch?“
Ich runzelte die Stirn und wusste nicht, was ich darauf antworten sollte.
„Ich weiß es nicht. Das Einzige, das ich weiß ist, dass dieser Schlipsträger von MTV mich nach der Tanzeinlage mit diesem Latinlover neben ihn gesetzt hat. In der Pause, in der ihr nicht mehr an eurem Platz ward, hat er mir Zeichnungen gezeigt, die er gemacht hat und dann war da dieser Blick…“, erzählte ich in Gedanken genau bei diesem Moment, der mir immer noch Gänsehaut verpasste. Die Mädels waren so leise, dass ich kurz den Eindruck hatte alleine zu sein. Doch Jenny bewies mir schnell das Gegenteil. „DER Blick?“ Ich wusste, dass sie den gleichen Blick meinte, wie ich und konnte mir ein seufzen deswegen nicht verkneifen. Auf meiner Haut kam die Gänsehaut von vorhin noch stärker zum Vorschein und ich wurde gleichzeitig wütend und traurig, dass der Typ sich einfach so aus dem Staub gemacht hatte. Im Radio lief 4-ever von den Veronicas und ich musste mich wirklich auf die Fahrbahn konzentrieren, um nicht ganz mit den Gedanken woanders zu landen. Ich lauschte dem Lied und versuchte an nichts zu denken, bis Ash mich aus meinen Gedanken riss: „Und was machst du jetzt? Eine Suchaktion starten mit dem Video, auf dem ihr zusammen tanzt?“ Das Video. Ich würde auf MTV zu sehen sein!

„Oh Gott. MTV. Ich habe echt vor laufender Kamera für MTV getanzt!!!“ Ich schluckte. „Aber was deine Frage angeht: Ich habe keine Ahnung. Ich bin vollkommen ratlos…“ Ich schilderte ihnen alles, was passiert war und keiner von ihnen hatte einen Tipp für mich. Am Hotel trennten wir uns und Sam und ich gingen auf unser Zimmer. Glücklicherweise wussten Sam und ich immer, wann wir einfach nichts sagen konnten. So war es ziemlich schweigsam auf unserem Zimmer, aber Keine von uns hatte das Bedürfnis es zu ändern. Wir schliefen ein und ich war froh, endlich abschalten zu können.

 

6.7.08 12:13


WHEN NIGHTMARES BECOME REALů

Ich konnte es einfach nicht glauben, als ich den Brief der Schule in der Hand hielt. Das konnte doch nicht wahr sein!!! Musste ich nicht schon genug Zeit mit all den Sportlern und Cheerleadern meiner Stufe in einem Klassenraum verbringen? Ja, eindeutig! Und ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich noch mehr Zeit mit ihnen verbringen müsste – schon gar nicht eine ganze Woche lang.
Ihr, die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs der WHS, habt in diesem Jahr als erster Jahrgang an der Wilmington High School, in der 11. Klasse das Privileg, auf Klassenfahrt fahren zu dürfen. Natürlich wird diese dazu genutzt, euer Wissen zu erweitern, doch auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen. Anbei liegt ein Zettel für eure Eltern, der sie über die Kosten informieren wird. Da sich die Schulleitung ausführlich über das Programm dieser Klassenfahrt Gedanken gemacht hat, ist erst seit heute sicher, dass sie stattfinden kann und wird. Leider kommt die Mitteilung deswegen etwas kurzfristig, doch ich hoffe ihr werdet den Aufenthalt in Jacksonville genießen. Am Montag, dem 4. Juni 2008 erwarten euch die Aufsichtspersonen der Klassenfahrt um 10 Uhr auf dem Parkplatz der Schule. Ich erwarte, dass ihr dort alle pünktlich erscheint und hoffe, dass ihr untereinander Fahrgemeinschaften gründen könnt, da uns leider kein Bus zur Verfügung steht.
David Marks, der Schulleiter
Sollte das vielleicht ein verspäteter April-Scherz sein? Ich sollte tatsächlich nach Florida mit allen Schülern meines Jahrgangs?
Doch es war kein Traum. Eine Woche später stand ich mit meinem hellblauen Mustang Cabrio auf dem Schulparkplatz und wartete darauf, dass irgendwer das Startzeichen gab. Meine Freunde Samantha, Jennifer, Ashley, John, Tim, Jake und Steve saßen ganz in meiner Nähe. Sam fuhr in meinem Wagen mit, die anderen verteilten sich auf zwei weitere Autos – und wir alle warteten nur darauf, dass wir losfuhren.
„Ist das zu fassen? Ich glaub es einfach nicht! Ich meine, was soll das überhaupt? Leiden die Lehrer unserer Nation etwa an Gedächtnisschwund und haben vergessen, wie ihre High School Zeit war? Oder denken die tatsächlich, sie hätten so guten Einfluss auf die heutige Generation, dass sich die Cliquen-Bildung vollkommen aufgelöst hat und wir uns alle lieben wie die Hippies?“ Ich sah Sam unglaubwürdig an.
„Ich fürchte es muss eine Mischung aus Beidem sein. Sonst würden die uns sicherlich nicht zwingen alle zusammen 5 Tage „Urlaub“ unter Aufsicht in Jacksonville zu machen!“, sagte sie und seufzte. „Da wäre mir Physik ja noch lieber…“
Sam hasste Physik, genauso wie ich und ich konnte ihre Ansicht der Dinge vollkommen nachvollziehen. Es war nun mal sinnlos. Fast so etwas wie eine Foltermethode. „Und das Schlimmste ist ja, dass die uns noch nicht mal sagen, was uns da erwartet!!! Ob wir nun einen Tag nach dem anderen in irgendwelchen Museen verbringen, oder auch mal Freizeit haben… Die machen aus allem ein großes Geheimnis und irgendwie macht mir das Sorgen. Lehrer haben nun mal eine verdrehte Sicht der Welt…“, sprach ich das aus, was ich die ganze Zeit dachte. Sam nickte und setzte sich ihre Sonnenbrille auf, als ein lautes Hupen zu hören war: Es ging los.
Wir fuhren ganze sechs Stunden lang, die mir erträglicher vorkamen, als der Gedanke daran, was uns in Jacksonville wohl erwarten würde. Sam hatte ihren iPod an meine Autoanlage angeschlossen und mich richtig zum Lachen gebracht, als ich plötzlich „Bye Bye Bye“ von NSync wahrnahm. „Wie war das? Not A Girl war der totale Flop… und trotzdem imitierst du immer noch deine Lieblingsszene“, neckte ich sie kopfschüttelnd und machte trotzdem mit. Zwar sahen uns unsere Freunde in den Autos vor und hinter uns, doch das war uns gerade egal. Wir fingen an mitzusingen und genossen den Wind und die Sonne, die uns ins Gesicht kamen. Sam hatte eine richtig gute Stimme, weshalb ich mich zurückhalten konnte. Ich versuchte es so oft wie möglich zu vermeiden, dass irgendwer mich singen hörte.
Endlich an unserem Hotel angekommen, war ich doch etwas überrascht: Das sah gar nicht mal so übel aus. Oder besser gesagt: Es sah sogar ziemlich gut aus. Wir bekamen Doppelzimmer und so packten Sam und ich schnell unsere Sachen aus.
Die Besprechung des restlichen Tages im Foyer des Hotels verging schneller, als ich gedacht hätte und auch wenn wir 150 Schüler und 15 Aufsichtspersonen waren, entstand wenig Chaos – das grenzte schon an eine Art Wunder, auch wenn ich nicht an Wunder glaubte. Den Rest des Tages hatten wir zur freien Verfügung und deswegen machten Jenny, Ash, Sam, Jake, John, Tim, Steve und ich uns einen schönen Tag am Strand.
Alles war ziemlich unspektakulär und führte nur dazu, dass mir Jacksonville erstaunlicherweise gefiel. Wir hatten eine Menge Spaß und irgendwie fand ich es fast unheimlich, dass die nächsten zwei Tage genauso ablaufen sollten – nur mit einem Museumsbesuch zusätzlich. Aber konnte man damit nicht leben? Ein wenig Kultur schadete nie.
„Casey!“, rief mich Sam aus dem Zimmer, während ich mir gerade im Bad die Haare föhnte. „Ich weiß nicht, was ich anziehen soll!“
Ja, das konnte ich irgendwie gut. Ich selbst war ein Typ, der immer so natürlich wie möglich aussehen wollte. Ich war nicht hässlich, aber meine blasse Haut störte mich manchmal. Egal wie lange ich mich an den Strand legte – sie wollte einfach nicht braun werden! Ich ging wirklich gerne shoppen, aber ich war keine dieser Tussis, die total oberflächlich waren. Ich liebte es stattdessen, Leute genauer kennenzulernen und ihnen zu helfen oder einfach nur mit einem guten Buch am Strand zu liegen. Dazu kam, dass gerade das „kennenlernen“ etwas schwierig war, da ich einfach nicht gut darin war, neue Leute anzusprechen. Der erste Schritt nun mal. Es gab nur zwei Sachen, in denen ich etwas mehr Selbstbewusstsein vorweisen konnte, als in anderen Situationen: Englisch und das Tanzen. Ich liebte Englisch, wegen all der tollen Bücher und war wirklich gut darin – um nicht zu sagen, die beste Schülerin des Kurses, auch wenn ich das nie zugegeben hätte. Und das Tanzen? Ich tanzte schon seit Jahren. Egal ob Standard, Latein, Hip Hop oder Freestyle. Aber am Liebsten war mir eine Mischung aus allem zusammen. Meine Freunde schätzten mich als Beziehungsberaterin, da ich immer gute Tipps auf Lager hatte, obwohl ich NIE auch nur den leisesten Anflug einer Beziehung hatte. Das kam mir manchmal doch etwas komisch vor – und nun, mit 17 fühlte ich mich nur noch unterentwickelt – zumindest in Sachen Liebe. Auch wenn ich nicht gerade den Eindruck hatte, mir würde im Leben etwas fehlen, damit ich glücklich sein konnte. Denn glücklich war ich auf jeden Fall. Sam hatte schon längere Zeit eine Schwäche für Jake, was mir wohl eher aufgefallen war, als ihr selbst, doch nun war sie immer etwas hilflos, wenn es um ihn ging. Umso mehr Grund dafür, mit ihr ein Zimmer zu teilen. Ich wollte doch, dass die Beiden irgendwann mal zusammenkommen würden! Ich ging in das Zimmer zurück, holte ein rotes Kleid aus dem Schrank und reichte es Sam. „Das wird ihn umhauen!“, sagte ich grinsend und merkte, wie Sam erleichtert durchatmete. An dem leicht feuchten Gefühl auf meinen Augenlidern merkte ich, dass meine Wimperntusche wohl noch nicht vollkommen trocken war und schloss deswegen schnell wieder meine Augen, bevor ich zurück ins Bad ging. „Au!“ Ich schrie kurz auf, bevor ich stöhnte. Scheinbar war ich gegen irgendeinen kleinen Tisch oder so etwas gelaufen. Na klasse.
„Alles in Ordnung, Casey?“, wollte Sam hinter mir wissen und ich nickte nur: „Ja, schon okay…“ Das war ja mal wieder typisch! Ich war wirklich verdammt ungeschickt – was mein Leben nicht gerade vereinfachte.
Eine halbe Stunde später waren wir fertig und trafen unten in der Lobby auf die Anderen. „Wow, ihr seht klasse aus!“, fiel Jake auf und ich merkte, wie ich rot wurde – auch wenn es höchstwahrscheinlich eher auf Sam bezogen war. Ganz abgeneigt war Jake schließlich auch nicht, auch wenn er es immer versuchte zu verbergen. Den Rest des Abends verbrachten wir in einer Cocktailbar, da die Jungs ihre gefälschten Ausweise dabeihatten. Ich nahm  alkoholfreie Pina Coladas, aber die Anderen hielten sich nicht gerade zurück. Glücklicherweise waren die Aufsichtspersonen wohl auch unterwegs, als wir zurückkamen, weshalb wir uns auf unsere Zimmer stehlen konnten.
4.6.08 17:24



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